Jahreshauptversammlung des Fördervereins

Liebe Mitglieder, liebe Unterstützer*innen,

das Jahr 2025 neigt sich dem Ende zu.
Leider wieder ein Jahr, in dem der Rechtspopulismus, der Angriffskrieg in der Ukraine und die unzähligen Todesopfer in Nahost eine beherrschende Rolle in unserer Gesellschaft spielt.
Das Junge Theater Bremen bietet für viele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene die Möglichkeit, die Bilder und damit verbundenen Anforderungen des Alltags zu verarbeiten. Die Themen aus Familie, Schule und Ausbildung werden durch Schauspiel und Tanz verarbeitet, besprochen und lebendig gemacht.
Wie gehen wir mit Rassismus um? Sind wir einsam? Was ist Einsamkeit? In welche Richtung entwickelt sich unsere Welt? Wie sieht unsere Zukunft aus? Sind wir den Anforderungen, die uns das Leben stellt, gewachsen?
Das Lernen, sich diesen Fragen zu stellen, Antworten zu finden, Gefühle auszudrücken. Wo können wir das heute noch?
Sie kennen die Antwort und sind Unterstützer*innen geworden!!
Dafür bedankt sich der Vorstand des Fördervereins ganz herzlich, auch im Jahr 2025!!
Da wo Stecker gezogen werden, junge Menschen eine Überbrückung brauchen, können wir punktuell helfen.
Sie sind alle herzlich eingeladen, die diesjährige Jahreshauptversammlung, am 24.11.2025, 18.00 Uhr, im Foyer des Moks zu begleiten.
Wir wünschen Ihnen allen Optimismus, Kraft und viel Gesundheit. Gönnen Sie sich einen Moment des Innehalten und besuchen Sie den Brauhauskeller oder das MOKS!

Der Vorstand

Thomas Ribbe

Kleiner Beitrag – Grosse Wirkung

Liebe Mitglieder,

der Vorstand des Fördervereins bedankt sich auch im Jahre 2024 für Ihre Unterstützung! Ihre Treue und Ihre Beiträge helfen u.a. an den Stellen, wo das Bundesministerium keine Gelder mehr bewilligt. Insbesondere in den Stadtteilschulen ist es wichtig, die bereits begonnene Arbeit fortzusetzen. Auch neue Pfade der Zusammenarbeit mit jungen Autor*innen stehen im Fokus unserer Förderung.

Vielleicht haben Sie Möglichkeiten und Ideen auf Menschen zuzugehen, die Lust haben, unserer gemeinsamen Idee zu folgen. Werben Sie für unsere gemeinsame Sache! Helfen soll dabei die oben abgebildete Karte. Sie ist neu konzipiert und liegt im Foyer des MOKS aus.

Die Jahreshauptversammlung des Fördervereins findet für alle Mitglieder am 04.12.24 um 18.00 Uhr im Foyer des MOKS statt. Sie sind alle herzlich eingeladen!!
Wir wünschen Ihnen allen eine angenehme Vorweihnachtszeit und viel Gesundheit!

Der Vorstand

Thomas Ribbe, Silke Aner und Nikolai Wolff

Fröhliche Weihnachten

Der Förderverein des Jungen Theaters Bremen, wünscht Ihnen allen, trotz einer schwierigen Gesamtlage, ein besinnliches Weihnachtsfest. Vielleicht können Sie im Kreise der Familie und Freunde, tolle Gespräche führen, nett miteinander kochen und backen oder einfach herzlich lachen.

Bedanken wollen wir uns bei allen Unterstützer*innen, die sowohl in der Vergangenheit als auch für 2024, mit ihrem Mitgliedsbeitrag das Junge Theater Bremen begleiten. Vielen Dank!!

Viele von Ihnen haben sich garantiert einige der fantastischen Stücke angesehen. Hatten Sie bisher noch nicht die Möglichkeit, nehmen Sie es sich für 2024 vor. Es lohnt sich!

Ihnen allen einen guten Rutsch ins neue Jahr, bleiben Sie gesund und hoffen mit uns gemeinsam auf ein friedliches Jahr 2024!

Herzliche Grüße

Silke Aner, Nicolai Wolff und Thomas Ribbe

Der Förderverein Junges.Theater Bremen hat einen neuen Vorstand!!

Auf der Mitgliederversammlung vom 12.04.2023, wurden Thomas Ribbe, Silke Aner und Nikolai Wolff durch die anwesenden Mitglieder zum neuen Vorstand gewählt.

Wir bedanken uns für das ausgesprochene Vertrauen und werden versuchen, die sehr gute und konstruktive Arbeit unserer Vorgänger*innen fortzuführen. Wir sind froh, Bestandteil eines Theaters zu sein, dass auch nach der Pandemie ihren Bildungsauftrag für Kinder und Jugendliche in vollem Umfang erfüllen kann und wird. Das Team des JTB leistet unglaublich wichtige Arbeit, die Schule so nicht leisten kann.

Liebe Mitglieder, durch ihre Unterstützung können Projekte in den Schulen aufgebaut und durchgeführt werden. Sie sind die Paten der Schüler und Schülerinnen, die ansonsten nie in den Genuss kommen würden auf diese Art zu lernen.
Wir würden uns freuen, wenn sie ihre Unterstützung fortführen und alle Personen ansprechen, die den Mitgliederkreis erweitern und bereichern könnten. Nur dann werden noch mehr Kinder und Jugendliche erreicht.

Ihnen allen ein großes Dankeschön!!!

Vielleicht bis bald in einem der neuen, tollen Stücke im Jungen Theater Bremen!

Thomas Ribbe, Silke Aner, Nikolai Wolff

Von links nach rechts:

Silke Aner, Nikolai Wolff, Thomas Ribbe

Mitgliederbrief August 2022

Liebe Mitglieder unseres Förderkreises Junges.TheaterBremen,

noch befindet sich das Theater in der Sommerpause, die Schulferien neigen sich ihrem Ende entgegen. Wir melden uns schon einmal für unsere Planung im September. Das neue Spielzeitheft des Jungen Theaters gibt einen optimistisch stimmenden Ausblick auf das Kommende. Und wir alle hoffen, dass die nächste Spielzeit wieder die Räume öffnet für Nähe, Neugier und Spiellust. Die Reflexion des Weltgeschehens und die jeweils individuelle Situation der Kinder und Jugendlichen – besonders in dieser Zeit, brauchen das Theater, brauchen Möglichkeiten des Ausdrucks und professionelle Begleitung.
Wir bedanken uns sehr bei dem ganzen Team des JTB, das so direkt mit der Pandemie und ihren verheerenden Auswirkungen auf die Jugendlichen konfrontiert war und ist. Sie haben jede Unterstützung verdient.

Ihnen, unseren Mitgliedern, die Sie den Zielen unseres Vereins treu geblieben sind, sagen wir ganz herzlich: Danke! Das neue Spielzeitheft  dokumentiert eindrucksvoll, wie sich die Kooperationen in Schulen und Stadtteilen, auch dank Ihrer Unterstützung, erweitert und vertieft haben. Wir sind sehr froh darüber, dass dadurch immer mehr Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit bekommen, künstlerisch aktiv und kreativ sein zu können.

Im September wollen wir eine Mitgliederversammlung abhalten. 

Die Einladung mit der Terminierung werden Sie Anfang September erhalten. Es stehen Vorstandswahlen an. Wir freuen uns sehr, ohne unsere Verbundenheit zum JTB  und unser Interesse für die gemeinsame Sache zu schmälern, wenn neue Kandidatinnen und Kandidaten zur Vorstandswahl antreten. Soviel sei verraten: es gibt schon zwei ernsthafte Interessentinnen, auf die wir uns freuen dürfen. Wer also Lust hat, sich in einem Vorstandsteam des Förderkreises Junges.TheaterBremen  zu engagieren, sollte nicht zögern, uns zu kontaktieren. Wir würden uns freuen. 

Ihnen und Euch allen, weiterhin hoffentlich gesunde, erholsame Sommertage!

Ihr Vorstand
Dagmar von Blacha   
Dr. Hendrik Crasemann
Rainer Glaap
Lars Vockensohn

Mitgliederbrief Januar 2022

Liebe Mitglieder,


ein Neues Jahr hat begonnen – wir hatten viel Hoffnung, uns dann wieder real begegnen und mit Ihnen austauschen zu können. Weniger kompliziert werden Zusammenkünfte allerdings gerade nicht. Wir wollen Ihnen deshalb zunächst den Stand der Dinge schriftlich skizzieren:


Das Junge Theater Bremen ist mit viel Verantwortungsbewusstsein und Aufwand der verunsichernden Lage der letzten zwei Jahre begegnet. Aber es mussten viele Veranstaltungen verschoben, aufgehoben werden, oder konnten nur unter sehr erschwerten Bedingungen realisiert werden. Das betraf auch Projekte, deren Förderung wir bereits zugesagt hatten.
Wir danken Ihnen sehr dafür, dass Sie in dieser Zeit mit Ihren Mitgliedsbeiträgen weiter zu unserer gemeinsamen Sache gestanden haben. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des JTB haben erleben müssen, wie schwer Kinder und Jugendliche von der Situation betroffen sind und in vieler Hinsicht Schaden nehmen. Sie müssen jetzt um so mehr in den Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit rücken. Die Frage ist, wie Ihnen wieder die gemeinsame Chance der Entwicklung von Ideen, Spiellust und Ausdruck gegeben werden kann. Es braucht neue Arbeitsansätze und Recherchen, wie Kinder und Jugendliche ihre Situation empfinden und bewältigen können. Wir haben daher unser gesamtes derzeitig verfügbares Budget von 7.000 € dem Jungen Theater für die Ermöglichung von Planungen, Recherchen und Projekten mit Schulen zur Verfügung gestellt, da sie dort mitten in den Alltag aller Kinder und Jugendlichen hineinwirken können. Aber da genau sind auch die größten Hürden zu überwinden.


Da konkrete Projektanträge in den letzten zwei Jahren immer wieder ausgesetzt werden mussten, hoffen wir, mit der Bereitstellung eines Budgets dem JTB mehr situationsbezogene flexible Planung mit den Schulen zu ermöglichen.
Wir unterstreichen damit eines unserer zentralen Anliegen. Wie schön, dass Sie uns darin unterstützen.


Für unsere Mitgliederversammlung gelten die Corona-Sonderregelungen, nach denen wir noch bis zum 31.August dieses Jahres Zeit haben, eine satzungsgemäße Versammlung durchzuführen. Und so hoffen wir, dass die Pandemielage uns im Frühsommer eine real stattfindende Mitgliederversammlung ermöglicht, in der auch Vorstandswahlen auf der Tagesordnung stehen. Insbesondere auch aus diesem Grund ist uns eine Präsenzveranstaltung besonders wichtig.
Rebecca Hohmann wird für uns einen „Pandemiereport“ verfassen, der uns eine Vorstellung von den existentiellen Herausforderungen dieser Zeit für das Kinder- und Jugendtheater geben wird.
Wir bedanken uns und wünschen Ihnen ein Gutes 2022!


Ihr Vorstand


Dagmar von Blacha, Dr. Hendrik Crasemann, Rainer Glaap und Lars Vockensohn

Weihnachtsbrief 2020

Leider nur eine Montage, geboren aus der Sehnsucht, bald wieder nah beieinander arbeiten zu dürfen.
Das Junge Theater Bremen

Liebe Mitglieder des Förderkreises Junges.TheaterBremen!

Wie schön, dass Sie in diesem besonders herausfordernden Jahr unserem Förderverein treu geblieben sind!

Alle Beteiligten am Jungen Theater haben unsere Unterstützung wirklich verdient. Nicht nur für das, was wir im Zuschauerraum und die Jugendlichen auf der Bühne erleben, sondern auch für alles das, was n i c h t stattfinden konnte: aufwendig geplante, erdachte und so sehr auf ihre Realisierung wartende Produktionen. Die große Kunst, trotz der widrigen Umstände kreativ zu bleiben. Die Herausforderung, Jugendlichen und sich selbst so einige Frustrationen zumuten zu müssen. All diese „Aufs und Abs“ zwischen positiver Initiative und enttäuschtem Innehalten haben die Arbeit des JTB-Teams über ein ganzes Jahr begleitet. An weitergehende Perspektiven, wie die begonnene Arbeit an internationalen Kooperationen, war in diesem Jahr
leider nicht zu denken.

Das gemeinsame produktive, künstlerische Schaffen am Theater fehlt uns. Uns allen. Dennoch scheint das gegenseitige Vertrauen gerade in dieser Zeit ungebrochen, weil dieses tolle Team des Jungen Theaters alles dafür tut, im engen Kontakt mit seinen Jugendlichen zu sein. Für Aufführungen zu proben, von denen man nicht weiß, wann sie stattfinden werden. Mit voller Energie an einer Zukunft auch in den Schulen zu arbeiten, in der es diese Beschränkungen irgendwann nicht mehr geben muss.

Ein sehr schönes Beispiel für dieses Engagement in schwerer Zeit ist die Beteiligung des Jungen Theaters an einem Pilotprojekt gemeinsam mit dem KUBO, Tanzwerk Bremen, Kulturzentrum Schlachthof und der Gesamtschule Mitte. Dieses Projekt hat sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie im Leben der Jugendlichen zum Thema gemacht und mit Partnern aus verschiedenen Richtungen kultureller Bildung umgesetzt. Wie gut dieses Projekt angekommen ist, schildert der Schuldirektor der GSM:


Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
was für ein super Projekt, das ihr mit uns hier durchführt!
Ich war ganz gerührt gestern von den Präsentationen! Wie offen die Schüler*innen sind, wie viele Gedanken sie sich machen, wie verantwortungsvoll sie handeln, an andere denken, sich versuchen zurückzunehmen, das alles zum Ausdruck bringen – und ihr holt es aus ihnen heraus, gebt ihnen die Möglichkeit, das auszudrücken.
Auch die Skizzen der Hand, die nicht berühren darf, die Gesichter, die vieles ausdrücken, waren sehr eindrucksvoll.
Auch viel Lebensfreude und Lust sich zu bewegen schimmert durch. Humor war dabei… Ich kann nur danke sagen und freue mich, dass nun auch das Unterhaus Gelegenheit bekommt, mit euch zu arbeiten.


Mehr dazu können Sie in diesem kleinen Hörspiel erfahren:

Die diesjährige Mitgliederversammlung findet Ende Januar statt. Wir werden unseren Rechenschaftsbericht leider nicht persönlich, sondern nur in schriftlicher Form vorlegen können. Ebenso wird Rebecca Hohmann auf diesem Weg ihren Einblick in die Aktivitäten des JTB im Jahr 2020 und die Planungen für das neue Jahr geben. Vorstandswahlen stehen erst für 2022 an.

Wir wünschen Ihnen eine gute Zeit zwischen den Jahren und sagen noch einmal Danke für Ihre Unterstützung. Schade, dass wir uns nicht sehen werden. Wir freuen uns aber immer sehr über Ihre Beiträge, Ideen, Fragen. Natürlich ganzjährig.

Ihr Vorstand

Dagmar von Blacha, Dr. Hendrik Crasemann, Rainer Glaap und Lars Vockensohn

Der neue Vorstand ist der alte

Bei der Mitgliederversammlung des Fördervereins wurde der Vorstand einstimmig entlastet. Bei der anstehenden Wahl für die nächsten Jahre wurde der amtierende Vorstand einstimmig erneut gewählt.

Den Rechenschaftsbericht für das vergangene Jahr 2019 sowie das Protokoll der Mitgliederversammlung 2018 verschicken wir gerne auf Anfrage an die Mitglieder des Vereins.

„Beim Kuss haben sie ‚iiiih!‘ gerufen“ – Über eine Boy-Schulvorstellung

Katharina Frohne, Weser Kurier, 27.12.2019

Wenn Anne Leira van Poppel auf der Theaterbühne steht, wird sie zu Chris, einem jungen Transmann. Für die 19-Jährige ist ihre Rolle eine Herausforderung. Sie sagt: „Chris zu spielen, hat mein Leben verändert.“

Noch vor einem Jahr wollte Anne Leira van Poppel Tanz studieren. Inzwischen ist sie sich da nicht mehr so sicher. Denn dann kam das Stück
Noch vor einem Jahr wollte Anne Leira van Poppel Tanz studieren. Inzwischen ist sie sich da nicht mehr so sicher. Denn dann kam das Stück „Boy“. (Christina Kuhaupt)
Das Stück ist erst wenige Minuten alt, da will Anne Leira van Poppel am liebsten hinschmeißen. Mit ihren Kollegen von den Jungen Akteuren des Theaters Bremen steht sie in „Boy“ auf der Bühne. Das Stück basiert auf dem Film „Boys Don’t Cry“, der die wahre Geschichte des jungen Brandon Teena erzählt. Teena wird 1972 in Lincoln, Nebraska, geboren. Als Mädchen, zumindest äußerlich. Innerlich ist Teena ein Junge, er hasst seinen weiblichen Körper, seine weibliche Stimme, seine zarten Züge. 1993, Teena ist gerade 21 geworden, wird er vergewaltigt, wenig später erschossen. Die Täter sind seine Freunde, denen gegenüber er sich als Mann ausgegeben hatte. Später werden sie vor Gericht sagen, sie hätten sich von Teena hintergangen und verarscht gefühlt. Den Mord bezeichnen sie als „Denkzettel“.

Harter Stoff also, den die junge Theatersparte sich da vorgenommen hat. In ihrer Version heißt Brandon Teena Chris, gespielt wird er von van Poppel. Die ist selbst erst 19, als sie das Stück vor mehreren Schulklassen aufführt. Die Schülerinnen und Schüler sind nur zwei Jahre jünger als sie, mehr als 100 drängen sich im Brauhaus, der kleinsten Bühne des Hauses. Als Chris trägt van Poppel weite Jeans, Lederstiefel, Bomberjacke. Sie steht breitbeinig, lässt die Schultern hängen, ihr Haar trägt sie sowieso kurz. Das passte.

Als Chris verliebt van Poppel sich; in Lana, ein Mädchen aus Chris‘ neuer Clique. Es gibt eine Szene, in der kommen sich Lana und Chris näher, in der schauen sie einander tief in die Augen, viele spannungsgeladene Theatersekunden lang. Dann küssen sie sich; ein kurzer, schöner, rührender Kuss.

Die Schülerinnen und Schüler sahen das anders. „Beim Kuss haben sie ‚iiiih!‘ gerufen, sagt van Poppel. Gestört hatten sie schon vorher, „eigentlich ununterbrochen“; sie hatten gelacht, geflüstert, Kommentare gezischt. „Gay!“ oder „Schwuchtel!“, solche Sachen. Van Poppel sagt: „Das war der schlimmste Moment, den ich bislang auf der Bühne erlebt habe.“

Sie erzählt das alles an einem Bremer Dezembertag, der sich nicht so richtig entscheiden kann zwischen Herbst und Winter. Milde acht Grad, Nieselregen, graue Wolkensuppe. Für das Treffen hat sie das Café „Noon“ im Theater vorgeschlagen. Sie ist oft hier, sie jobbt an der Bar, außerdem ist sie fast jeden Tag für Proben im Haus.

Van Poppel ist gebürtige Bremerin. Das Theater am Goetheplatz kennt sie, seit sie denken kann. Ihre Eltern, eine Spanierin und ein Holländer, arbeiteten lange als Tänzer im Haus, inzwischen sind sie Choreografen. Auch van Poppel tanzt, seit sie klein ist: Modern und Contemporary Dance. „Noch vor einem Jahr hätte ich gedacht, dass ich Tanz studiere“, sagt sie. Jetzt sei sie da nicht mehr so sicher. Denn dann kam „Boy“. Und Chris. Den spielt sie seit einem Dreivierteljahr. Es ist ihre erste richtige Rolle; vorher, erzählt sie, habe sie nur für Schultheaterstücke auf der Bühne gestanden.

Wer sie in „Boy“ sieht, kann das kaum glauben. Van Poppel spielt Chris mit großem Einfühlungsvermögen; zurückhaltend, verletzlich, sanft, wahnsinnig präsent. Sie spielt einen jungen Mann, der keinerlei Angriffsfläche bieten will. Und der trotzdem Lust aufs Leben hat. Auf Freiheit und Glück und endlich ein bisschen Unbeschwertheit.

Viele von Chris‘ Seiten seien ihr selbst vertraut, sagt van Poppel. Auch sie neige zu Unsicherheit, stehe eigentlich nicht gern im Mittelpunkt. Aber auf der Bühne. Warum? „Weil es unglaublich ist, was da zwischen uns und dem Publikum passiert.“ Theater ist für sie Nähe, Unmittelbarkeit, ein extrem intensives Erlebnis. Sie sagt: „Für mich fühlt es sich an, als würde ich dem Publikum etwas schenken, eine Geschichte – und das Publikum beschenkt mich mit Zeit und Aufmerksamkeit.“ Trotzdem koste sie jeder Auftritt Überwindung. Auch, weil sie so selbstkritisch sei. Mit der Rolle des Chris zum Beispiel habe sie lange gehadert – „weil ich mir nicht anmaße, zu wissen, wie er sich fühlt“.

„Boy“ zu zeigen, hält sie trotzdem für „mega wichtig“. Das sei ihr zuletzt bei der Begegnung mit der Bremer Schulklasse aufgefallen. Im Anschluss an das Stück habe es ein Gespräch zwischen Ensemble und Publikum gegeben. „Da hat Jannes (Weber, einer der anderen Darsteller; Anm. d. Red.) gesagt, dass er das total respektlos fand.“ Danach habe sich ein sehr offenes, konstruktives Gespräch ergeben. Die Schüler hätten sich entschuldigt, hätten auf einmal verstanden, dass da echte Menschen auf der Bühne stehen. Dass auch die Personen, von denen „Boy“ erzählt, echt sind. Dass ihre Probleme echt sind, ihre Ängste, ihre Sorgen. Die Aufführung sei deshalb einerseits die schlimmste gewesen, sagt van Poppel – „gleichzeitig aber auch die Beste“. Denn genau das, sagt sie, sei die Kraft des Theaters: „dass die Menschen vielleicht ein bisschen anders gehen, als sie gekommen sind“.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Autorin

Weitere Informationen und Spieltermine hier.