Weihnachtsbrief 2019

Liebe Mitglieder, Freundinnen, Freunde und Förderer,
auch im Jahr 2019, das sich seinem Ende entgegen neigt, war es für uns ein großes Vergnügen, das Junge Theater Bremen unterstützen zu dürfen, in dem mit Herzblut, Leidenschaft und großem Ideenreichtum gearbeitet wird.
Dass diese Arbeit – konkret die Regiearbeit von Birgit Freitag „Für Vier“ im Jugendtanztheater – aber nun am 9. November 2019 mit dem FAUST, dem Deutschen Theaterpreis, ausgezeichnet wurde, ist eine ganz große Überraschung und Freude auch für uns. Wir gratulieren an dieser Stelle noch einmal ihr und dem gesamten Team um Rebecca Hohmann und natürlich dem Intendanten Michael Börgerding, der an seinem Haus so viel Offenheit und Gestaltungsfreiheit für die junge Generation ermöglicht.
Wir zitieren hier gern Birgit Freitag, die sich anlässlich der Faust Preisverleihung für die Zukunft eine noch größere Vielfalt von Menschen auf der Bühne wünscht. „Profis, Menschen aus dem Alltag, Menschen aus anderen Kulturkreisen, Diversität, Inklusion. Menschen, die alle ihre eigenen Möglichkeiten des Ausdrucks haben.“

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Foto: Oliver Kern

Diesem Wunsch können wir uns nur anschließen.
Unser Vorstandsmitglied, der Kinderarzt Dr. Hendrik Crasemann, schildert, ganz in diesem Sinne, seine Erfahrungen als Besucher der diesjährigen MOKSBOX: „Am Sonntag, den 13.Oktober, bin ich ganz spontan ins Theater gegangen, um mir die Präsentation der MOKSBOX anzusehen. Bis dahin konnte ich mir unter „MOKSBOX“ nicht allzu viel vorstellen. Es gibt dieses Format schon seit vielen Jahren. In den Herbstferien spielen und erarbeiten mit viel Phantasie jedes Jahr 30 bis 60 Jugendliche zwischen 13 und 21 Jahren in nur einer Woche unter der Leitung erfahrener TheaterpädagogInnen und SchauspielerInnen ein abendfüllendes Programm zu einem aktuellen, vorgegebenen Thema. In diesem Jahr unter der Überschrift „MANIFESTE“ vier Schwerpunktthemen in vier Gruppen: „Gender“, „Empowermentstrategien“, „Das leise Manifest“ und „Partykultur“.
Was ich da gesehen, gefühlt und erfahren habe, hat mich…wie sagt man es angemessen? Geflasht! Ich habe mich von Anfang bis Ende großartig unterhalten gefühlt. Vieles hat auch mich als älteren Menschen bewegt und zum Nachdenken, Philosophieren gebracht. Ich habe junge Menschen mit starker schauspielerischer Begabung erlebt, aber auch Jugendliche, die mit sehr liebenswerter Vorsicht agiert haben. Allen hat man, unabhängig von Talent, Aussehen, Alter oder Herkunft deutlich angemerkt, wie engagiert und begeistert alle im Team agiert haben.
In den letzten Jahren hat mich als Kinderarzt die Tendenz zum massiven Gebrauch und Missbrauch technischer Medien, zum Rückgang von Sinnlichkeit und gegenseitiger Aufmerksamkeit, zum sozialen Rückzug und Mangel an das Selbstwertgefühl stärkenden Alltagsaktivitäten sehr beunruhigt und in manchen Fällen sehr traurig gemacht. Umso glücklicher bin ich an solchen Abenden wie am 13. Oktober.

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Foto: Jörg Landsberg

Jedem unserer Mitglieder empfehle ich, sich Produktionen vom MOKS, speziell auch einmal (wer Zeit hat) vormittags eine Schülervorstellung anzusehen. Vorstellungen der Jungen Akteure. Präsentationen der Werkstätten.
Es stärkt das Gefühl, mit der Unterstützung des Förderkreises etwas sehr Gutes für viele Jugendliche unserer Stadt und gleichzeitig für die kulturelle Entwicklung unserer Gesellschaft zu tun.
Zu Beginn des Jahres 2019 haben wir u.a. ein Workshop-Programm an fünf Bremer Schulen zur MOKS-Produktion „Aus dem Nichts“ von Fatih Akin fördern können. Wiederum fünf Schulen werden es im Februar 2020 sein. Sie werden sich mit der neuesten Inszenierung des MOKS „ Jugend ohne Gott“ von Ödön von Horváth auseinandersetzen.“
Wir freuen uns auf die Möglichkeit, im Januar auf unserer jährlichen Mitgliederversammlung wieder ausführlicher mit Ihnen und Euch, unseren Mitgliedern und Förderern, ins Gespräch zu kommen. Die Einladung kommt mit gesonderter Post.
Bis dahin wünschen wir allen eine gute Zeit der Feste und zwischen den Jahren
Dagmar von Blacha, Hendrik Crasemann, Rainer Glaap und Lars Vockensohn

„Für vier“ nominiert für den FAUST-Preis

Wir freuen uns sehr über die Nominierung von Birgit Freitag für den FAUST-Preis des Deutschen Bühnenvereins und gratulieren herzlich!

Der Weser Kurier berichtet heute:

„Die Bremer Choreografin Birgit Freitag ist für den Deutschen Theaterpreis „Der Faust 2019“ nominiert worden. Sie tritt am 9. November im Staatstheater Kassel gegen zwei weitere Nominierte in der Kategorie „Regie Kinder- und Jugendtheater“ an, teilte der Deutsche Bühnenverein mit. Die Ehrung betrifft ihre am Jungen Theater Bremen realisierte Produktion „Für vier“.“

Es gibt noch einige Karten für die nächsten Vorstellungen.

Die Preisverleihung findet am 9.11. im Staatstheater Kassel statt. Wir drücken die Daumen!

Boy: Nur noch wenige Vorstellungen

„Boys don’t cry“ heisst der Film, den Kimberly Pearce 1999 über die erschütternde Geschichte von Brandon Teena drehte: ein junger Transmann, obdachlos und auf der Suche nach einer sozialen Heimat, trifft auf eine Clique eines Provinzstädtchens, bei der er sich zunächst wohl fühlt und sich in ein Mädchen verliebt. Als allerdings klar wird, dass er trans ist, reagieren Teile der vermeintlichen Freunde auf diesen „Verrat“ mit Hass und Gewalt. Die Zuordnung zu einem eindeutigen, optischen, biologischen, sowie sozialen Geschlecht scheint die Teilnahmebedingung in unserer Gesellschaft für ein erfolgreiches Leben zu sein – ein Blick auf die immer noch fortwirkende Diskriminierung und Stigmatisierung von transidenten Menschen lässt keine andere als diese traurige Bilanz zu.


Video: Junges.Theater Bremen

Vorstellungen: 5., 7. + 8. September 2019

Karten: Theater Bremen Ticketshop

Die Jungen Akteure sind für das Theatertreffen der Jugend nominiert

Junge Akteur*innen sind nominiert für das Theatertreffen der Jugend mit „Bilder deiner großen Liebe“!

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Foto: Jörg Landsberg

In Bremen ist es noch 3x zu sehen: am 8./9. und 10. März um 19 Uhr im Brauhauskeller.

Künstliche Intelligenz? IOta.KI zu Gastspiel in Kiel eingeladen

Das LIVE ANIMATION CINEMA bewegt sich dabei an der Schnittstelle von Animation und Live-Performance. Die SchauspielerInnen setzen auf der Bühne Kameras, Projektoren und Illustrationen in Bewegung, aber auch ihre Körper, Stimmen und Instrumente ein.


Video: Sputnik

Schon heute wird unser Alltag durch Künstliche Intelligenz geprägt. Ob beim Online-Shopping, als elementarer Bestandteil der sogenannten Sozialen Netzwerke oder als Grundlage für jede Suchmaschine. Doch was ist, wenn eine KI so gut arbeitet, dass wir die Welt, die wir dachten zu kennen, nicht mehr wiedererkennen? Die KI ermöglicht den Eintritt in einen Raum, der uns zuvor verschlossen war. In Auseinandersetzung mit Phänomenen der Physik, entstehen und vergehen bei IOTA.KI auf der Bühne unterschiedlichste Räume. So entwickelt sich ein Stück Science Fiction, in dem es über das Dasein, Identität und den Sinn des Lebens geht; in einer Welt, die auf Zufall basiert. sputnic wurde für seine Arbeiten mehrfach ausgezeichnet.

Der Termin für das Gastspiel steht noch nicht fest. Bitte gelegentlich die Website http://www.theaterbremen.de checken!

Quelle: Theater Bremen Website

Die Rollen des Lebens spielen

Zum Bundestreff der Jugendclubs an deutschen Theatern waren hochkarätige Produktionen in Bremen zu sehen. Der Gastgeber feierte nebenher noch Geburtstag

Schwächen? Darf’s nicht geben. Höchstens solche, die deinen unbedingten Leistungswillen demonstrieren: Ungeduld ist ja auch eine Tugend. Die anderen, die musst du überspielen, da musst du die Zähne zusammenbeißen, immer, das Theater des Lebens entlässt dich nie. In Bremen hat allein die Barmer Ersatzkasse vergangenes Jahr 2.000 sogenannter Aufbiss-Schienen erstattet, die das nächtliche Zähneknirschen bremsen: Am 7. Oktober gastiert die Performance „Beißen“ im Brauhauskeller, Und diese Produktion des Grazer Theaters am Ortweinplatz ist schon ein wenig das Stück der Stunde.

Rahmen des Gastspiels ist dabei das Bundestreffen der Jugendclubs an deutschen Theatern, das nach 2003 zum zweiten Mal, sozusagen als ein Geburtstagsgeschenk zum 40-jährigen Bestehen des Moks, kommende Woche in Bremen stattfindet. „Es geht dabei um Trainieren, so lange man nur kann“, erklärt Regisseur Simon Windisch die Idee der Performance „Beißen“. „Immer eins mehr und eins mehr – und um diese Einstellung, immer alles erreichen zu wollen, nicht loslassen zu können – durchzubeißen.“ Das ist ein starkes Motiv.

Und ähnlich aber doch ganz anders hat sich ja auch Thomas Büngers Tanztheaterprojekt „Turnen“ mit den Bremer Jungen Akteuren, die das Bundestreffen am Dienstag eröffnen wird, der zwanghaften Lust und dem lustvollen Zwang gewidmet, die eigenen Grenzen auszureizen: Was Leistungsgesellschaft heißt, was sie aus Menschen macht, sie formt und verformt, was sie ihnen ermöglicht – und ob es einen denkbaren Widerstand gegen sie gibt, diesen Fragen, begegnet man in den sieben Produktionen, die auf dem Festival zu sehen sind.

Das macht Theater von Jugendlichen so politisch bedeutsam – und künstlerisch aufregend für alle, die Kunst nicht mit handwerklicher Vollendung verwechseln. Denn in ihm bewahrt sich die darstellende Kunst oft einen sehr entschiedenen Zug zur Gegenwart, weshalb zum Programm auch intensive Nachgespräche und zu jeder Aufführung Diskussionsrunden gehören. Hier wird sie als Ausdrucksmedium ernst genommen, Ausdruck der AkteurInnen, die eben nicht nur, ja nicht einmal in erster Linie wie im traditionellen Schauspiel versuchen, einer literarischen Figur zu entsprechen. Eher probieren sie, ihre eigene Rolle zu spielen, die Rolle ihres Lebens. Und sie dabei spielend zu reflektieren.

Das gilt auch dort, wo es literarische Vorlagen bearbeitet, wie es etwa das Berliner Theater an der Parkaue mit Luc Tartars Stück „Feuer fangen“ tut, das ganz klassisch den Spalt der Freiheit auslotet, die der erste Kuss bedeutet, oder bei der Produktion des Komm’ma-Theaters aus Duisburg, die Herbert Melvilles Bartleby, die Ikone des ohnmächtigen Widerstandes, mit großer historischer Tiefe und brennender Aktualität ergründet.

In Vorleistung gegangen ist dafür das Theater Bremen, aber das ist auch eine gute Investition, denn den größten Gewinn des Bundestreffs hat natürlich der Veranstalter, das weiß man hier: Als es im Juni vor 14 Jahren erstmals hier stattfand, war das der Anstoß, selbst einen Jugendclub zu gründen, die Jungen Akteure. Heute ist die kleine, unterfinanzierte Untersparte des unterfinanzierten Moks längst das mit zahlreichen Festivaleinladungen und Preisen dekorierte Aushängeschild des Bremer Theaterbetriebs.

Das macht Theater von Jugendlichen so politisch bedeutsam – und künstlerisch aufregend für alle, die Kunst nicht mit handwerklicher Vollendung verwechseln. Denn in ihm bewahrt sich die darstellende Kunst oft einen sehr entschiedenen Zug zur Gegenwart, weshalb zum Programm auch intensive Nachgespräche und zu jeder Aufführung Diskussionsrunden gehören. Hier wird sie als Ausdrucksmedium ernst genommen, Ausdruck der AkteurInnen, die eben nicht nur, ja nicht einmal in erster Linie wie im traditionellen Schauspiel versuchen, einer literarischen Figur zu entsprechen. Eher probieren sie, ihre eigene Rolle zu spielen, die Rolle ihres Lebens. Und sie dabei spielend zu reflektieren.

Das gilt auch dort, wo es literarische Vorlagen bearbeitet, wie es etwa das Berliner Theater an der Parkaue mit Luc Tartars Stück „Feuer fangen“ tut, das ganz klassisch den Spalt der Freiheit auslotet, die der erste Kuss bedeutet, oder bei der Produktion des Komm’ma-Theaters aus Duisburg, die Herbert Melvilles Bartleby, die Ikone des ohnmächtigen Widerstandes, mit großer historischer Tiefe und brennender Aktualität ergründet.

In Vorleistung gegangen ist dafür das Theater Bremen, aber das ist auch eine gute Investition, denn den größten Gewinn des Bundestreffs hat natürlich der Veranstalter, das weiß man hier: Als es im Juni vor 14 Jahren erstmals hier stattfand, war das der Anstoß, selbst einen Jugendclub zu gründen, die Jungen Akteure. Heute ist die kleine, unterfinanzierte Untersparte des unterfinanzierten Moks längst das mit zahlreichen Festivaleinladungen und Preisen dekorierte Aushängeschild des Bremer Theaterbetriebs.

Text: Benno Schirrmeister, veröffentlicht in der taz am 30.9.2017

Kurt-Hübner-Preis für Junge Akteure

Der Kurt-Hübner-Preis der Bremer Theaterfreunde geht in diesem Jahr an die Jungen Akteure am Theater Bremen. Stellvertretend wird das Leitungsteam der Jungen Akteure, Nathalie Forstman und Christiane Renziehausen, mit dem Preis ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet am Montag, 26. Juni, ab 20 Uhr im Kleinen Haus statt.

Seit 2005 bieten die Jungen Akteure Kindern und Jugendlichen aus Bremen und umzu die Möglichkeit, am Theater Bremen unter professionellen Bedingungen Theater zu spielen. Weit über tausend junge Menschen konnten in diesen zwölf Jahren über die Jungen Akteuren für das Theater begeistert werden und ihre Theaterleidenschaft ausleben.

In der Jurybegründung heißt es:

„Die Themen, die in den inzwischen mehr als 125 Produktionen der Jungen Akteure aufgegriffen werden, sind dabei von gesellschaftlicher Relevanz, nicht nur für ein junges Zielpublikum. Die Jury zeigte sich bei ihrer Entscheidung vom konstant hohen Niveau der Arbeit der Jungen Akteure und ihrem Mut, auch kontroverse Themen zu behandeln, beeindruckt. Beispielhaft sei auf Gernot Grünewalds Inszenierung „Kinder|SOLDATEN“, Lola Arias’ Migrationsstudie „ The Art of Arriving“ sowie die von Nathalie Forstman inszenierte Produktion „Grüne Vögel“, in der die religiöse Radikalisierung von Jugendlichen thematisiert wurde, verwiesen. Wiederholte Einladungen der Jungen Akteure zu nationalen Theaterfestivals zeigen, dass die künstlerische und inhaltliche Qualität     ihrer Arbeit auch überregionale Beachtung findet.

In der aktuellen Spielzeit haben sich die Jungen Akteure thematisch auf die Suche begeben: Sie sind dabei der „Verlorenen Jugend“ junger Frauen als Wandeltheater im Brauhauskeller (Regie: Christiane Renziehausen), den Spuren neuzeitlicher Bremer Stadtmusikanten bei Audiowalks durch das Bremer Viertel in „Still out there“ (Regie: Fabian Lettow und Mirjam Schmuck) sowie konventionellen und unkonventionellen Männerbildern im Tanztheaterstück „Turnen“ (Choreografie: Tomas Bünger) nachgegangen. Die Jungen Akteure zeigten sich damit auch 2016/17 vielfältig und experimentierfreudig bei der Wahl ihrer szenischen Mittel. In der Umsetzung der Themen boten sie ihrem Publikum erneut sensible Inszenierungen, die von großer Authentizität und Originalität geprägt waren.“

Nathalie Forstman leitet seit der Spielzeit 2011/12 die Jungen Akteure am Theater Bremen. Nach einem Studium an der Ludwig-Maximilian-Universität München und dem Studium der Theaterpädagogik an der Hochschule der Künste im Sozialen Ottersberg folgten theaterpädagogische und künstlerische Projekte als freischaffende Theatermacherin und Dramaturgin sowohl mit Laien als auch mit professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern. Von 2009 bis 2011 war sie als Kuratorin von Theaterfestivals und Themenreihen an der Schwankhalle Bremen tätig. Am Theater Bremen inszenierte Nathalie Forstman u.a. in der Spielzeit 2012/13 das Stück „Warum das Kind in der Polenta kocht“ nach Aglaja Veteranyi, das 2013 für das Theatertreffen der Jugend in Berlin nominiert und zum Bundestreffen der Jugendclubs an Theatern nach Oldenburg eingeladen wurde.

Christiane Renziehausen studierte Medien- und Kommunikationswissenschaft sowie Pädagogik an der Georg-August-Universität Göttingen, dann bis 2007 Theaterpädagogik an der Fachhochschule Ottersberg. Ihr erstes Engagement am Theater trat sie mit der Spielzeit 2008/09 an den Kammerspielen Paderborn an, wo sie mit dem Jungen Theater eine neue Sparte etabliere. 2010 wechselte sie an das Kinder- und Jugendtheater Zamt und Zunder in Baden in der Schweiz. Seit 2011 ist sie als Theaterpädagogin bei den Jungen Akteure am Theater Bremen tätig.

Mit dem Kurt-Hübner-Preis zeichnen die Bremer Theaterfreunde e.V. seit 1996 jährlich eine besonders herausragende künstlerische Leistung am Theater Bremen aus. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wurde zuletzt an die Schauspielerin Annemaaike Bakker (2013), den ehemaligen leitenden Regisseur im Musiktheater Benedikt von Peter und die Musiktheatersparte des Theater Bremen (2014), den Sänger Patrick Zielke (2015) sowie an die Schauspielerin Nadine Geyersbach und den Schauspieler Alexander Swoboda (2016) verliehen. Benannt ist der Preis nach Kurt Hübner, der von 1962 bis 1973 Generalintendant am Theater Bremen war.

Die diesjährige Jury setzte sich wie folgt zusammen: Prof. Michael Börgerding (Intendant Theater Bremen), Ursula van den Busch (Theaterfreunde), Rainer Glaap (Theaterfreunde), Christine Gorny (Radio Bremen), Iris Hetscher (Weser-Kurier), Dr. Kirsten Kappert-Gonther (Theaterfreunde), Daniel de Olano (Theaterfreunde), Benno Schirrmeister (taz) und Rolf Stein (Kreiszeitung).

Fotos der Preisträger auch auf unserer Homepage www.theaterbremen.de unter Pressefotos allgemein.

Verliehen wird der Kurt-Hübner-Preis an die Jungen Akteure im Rahmen einer Gala-Veranstaltung am Montag, 26. Juni um 20 Uhr im Kleinen Haus. Der Eintritt ist frei.

Die Deutsche Bühne: Schwerpunkt Kinder- und Jugendtheater

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Gelber Mond. Foto: Léa Dietrich

Die Februarnummer der Theaterzeitschrift Die Deutsche Bühne ist dem Kinder- und Jugendtheater gewidmet. Lesenswert ist insbesondere ein Essay, in dem sich Bernd Mand mit grundsätzlichen Fragen dieser Sparte auseinandersetzt: Dies sei „kein Appell für höhere Fördersummen, die gleichberechtigte Berichterstattung in den Kulturmedien oder die gesellschaftliche Anerkennung als vollständige Sparte des Kunstbetriebs. Auch wenn man nicht aufhören kann, genau diesen gebetsartig zu wiederholen“, schreibt er.

„Und nein, dies ist kein Appell für höhere Fördersummen, die gleichberechtigte Berichterstattung in den Kulturmedien oder die gesellschaftliche Anerkennung als vollständige Sparte des Kunstbetriebs. Auch wenn man nicht aufhören kann, genau diesen gebetsartig zu wiederholen. Nein, dies ist die Forderung, sich damit auseinanderzusetzen, dass im Theater für junges Publikum nicht der Nachwuchs für das behagliche Abonnementsystem herangezogen wird. Dass im Theater für junges Publikum keine Weiterführung des Lehrplans angeboten wird. Dass im Theater für junges Publikum die Zielgruppe zwar dem Namen nach klar definiert ist, aber das Wort „Theater“ auf Augenhöhe mit dem Begriff „junges Publikum“ genannt und behauptet wird. Und diese Forderung richtet sich an alle. Rezipienten, Förderer und Macher dieser wunderbaren und eigenartigen Sparte.“

Wir finden es richtig und wichtig, dass sich die Zeitschrift des Deutschen Bühnenvereins so ausführlich diesem Thema widmet.

Dieser Essay ist vollständig online auf der Website der Deutschen Bühne einsehbar.

Arbeiten am Puls der Zeit

 

Dorothee Gerlach traf Rebecca Hohmann, Leiterin des Moks, zum Gespräch.

Herzlichen Glückwunsch: Gleich fünf Moks-Produktionen sind aktuell zu Festivals eingeladen.

Ja, das stimmt und freut uns natürlich sehr. Das macht unsere Arbeit noch einmal einem breiteren Publikum bekannt und gibt die Möglichkeit des künstlerischen und fachlichen Austauschs mit anderen Theatermachern. Schön ist auch, dass Produktionen mit ganz unterschiedlichen ästhetischen Handschriften ausgewählt wurden.

Welche Stücke sind das?

Das Tanzduett „Eins zu Eins“ von Birgit Freitag ist nach Berlin zum „Augenblick mal! 2017“-Festival eingeladen worden. Das ist eigentlich das wichtigste Theaterfestival für

junges Publikum und für uns bereits die vierte Einladung in Folge zu diesem international renommierten Festival, das ist schon sensationell. „Eins zu Eins“ wird im März aber auch im Rahmen von „TANZ Bremen“ nochmal gespielt.

Und „Anders sein“, die neue Produktion der Choreografin Salome Schneebeli wird am Sonntag,19. März während des Festivals „TANZ Bremen“ Premiere haben.

Die Inszenierung „Out of control“ für Jugendliche ab 13 Jahren von „kainkollektiv“ überschreitet sogar die Landesgrenzen und wird im Rahmen des „augenauf!“-Festivals in Winterthur am Sonntag, 14. und Montag, 15. Mai gezeigt. Dann gibt es noch zwei Anfragen für die Ruhrfestspiele Recklinghausen, nämlich „Die Sprache des Wassers“, eine Inszenierung der Regisseurin Theresa Welge, und Nathalie Forstmans Arbeit „Patricks Trick“. Allerdings können wir diesen Anfragen aus Termingründen leider nicht folgen. Die Einladungen zu den Festivals sind natürlich eine wichtige Bestätigung unserer Arbeit. Es zeigt, dass wir mit unseren Produktionen sowohl künstlerisch/ästhetisch, als auch  inhaltlich ganz nah am Puls der Zeit sind.

Worum geht es in diesen Arbeiten?

In „Eins zu Eins“, einer Produktion aus der letzten Spielzeit, begegnen sich ein 32-jähriger Schauspieler und ein elf-jähriger Junger Akteur und somit ganz verschiedene Männlichkeitsbegriffe, Erfahrungshorizonte und Entwicklungsstufen, aber auch ein durch Alltag, Umfeld und Persönlichkeit unterschiedlich konditioniertes Bewegungsvokabular. Eine spannende Erkundung von Gemeinsamkeiten und Gegensätzen. „Anders sein“ fragt danach, wie es ist, wenn jemand neu in eine Gruppe kommt. Was passiert mit der Gruppenstruktur, welche Impulse kann ein Neuzugang geben, sich auch selbst zu verändern?

„Die Sprache des Wassers“ erzählt die Geschichte eines Mädchens, das versucht, sich in  einem fremden Land zurecht zu finden, darüber hinaus aber auch mit den alterstypischen Problemen einer Jugendlichen umgehen muss. In „Patricks Trick“ schließlich geht es um einen elfjährigen Jungen, der einen körperlich beeinträchtigen Bruder bekommt. Wir fragen uns, was in diesem Kind vorgeht, welche Ängste und Sorgen sich mit dem Geschwisterkind verbinden.

Die aktuellen Produktionen verhandeln alle Phänomene des Besonderen, des Anderen, des Fremden und den Umgang damit. Kannst Du in diesem Zusammenhang etwas zum übergeordneten Spielzeitthema „All you beautiful strangers“ sagen?

Wir wollen dazu anregen, sich mit den verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen, Ansichten und Verhaltensweisen anderer Menschen auseinanderzusetzen, den Gedanken der Empathie stärken. Uns geht es um Toleranz und Inklusion im allgemeinen Sinn, also um die Einbeziehung von Individuen in die Gemeinschaft. Theater ermöglicht, an der Gefühlswelt anderer teilhaben zu können. Da fühlen sich die angesprochen, die Ähnliches erlebt haben oder gerade erleben, und sehen, dass sie nicht allein stehen mit ihren Problemen. Aber auch jene, die normalerweise keinen Kontakt zu solchen Geschichten haben, kommen so zumindest gedanklich damit in Berührung. Dabei sagen wir nicht, dass man alles andere toll finden soll, aber, dass man dem Unbekannten mit Toleranz begegnen sollte.

Das Motto zielt aber auch darauf ab, dass bei uns jeder willkommen ist. Wir haben ein ganz breit aufgestelltes Publikum: Über die Schulen besuchen uns Kinder und Jugendliche aus allen Bevölkerungsschichten, aber auch viele Vorklassen, in denen Flüchtlingskinder Deutsch lernen, bevor sie dann eine Regelklasse besuchen können. Diese Heterogenität des Publikums ist das Besondere an einer jungen Sparte.

Durch Eure theaterpädagogische Arbeit schließen sich ja auch immer wieder Kreise in puncto Inklusion.

Genau. Zum Beispiel bei der Arbeit mit den Premierenklassen, also jenen Klassen, die Einblicke in die Probenprozesse erhalten und dann die Premiere einer Produktion besuchen.

Im Fall von „Anders sein“ ist dies eine Vorklasse mit Flüchtlingskindern.

Die Probennachgespräche finden auf Deutsch, Englisch und Französisch statt. Glücklicherweise kann unser Ensemble das leisten. Wir sehen unsere Aufgabe aber auch darin, Menschen ganz praktisch in den theatralen Prozessen zusammenzubringen.

Das geschieht bei Junge Akteure, wo Kinder und Jugendliche selber Produktionen erarbeiten. Gerade haben beispielsweise die Proben zu „Still out there“, einer Überschreibung der „Bremer Stadtmusikanten“, begonnen. Hier treffen junge Menschen unterschiedlichster Herkunft, mit und ohne Migrations- oder Fluchthintergrund, im Alter von zehn bis 21 Jahren aufeinander und schließen sich zu einer großen Musikkapelle zusammen, die sich auf die Spuren der Grimmschen Truppe begibt.

Das Moks hat seit Beginn der Spielzeit ein neues Foyer. Wie wird der Raum angenommen?

Sehr gut! Mit der „Nachspielzeit“ etabliert sich beispielsweise gerade ein sehr schöner Austausch, bei dem die Besucher nach den Familienvorstellungen im Foyer das Gesehene auf verschiedene Weise nochmal reflektieren und durch Basteln, Malen, Diskutieren nacharbeiten zu können. Und das Foyerplädoyer, ein Format, das sich gerade noch entwickelt, gibt dem Publikum, aber auch den Darstellern und Mitarbeitern des Moks, an vorstellungsfreien Abenden den Raum, sich im Foyer inhaltlich und ästhetisch auszuprobieren. So soll das Foyer im besten Wortsinn ein Brennpunkt werden, an dem junge Menschen aufeinandertreffen und sich austauschen können.

Eingeladen nach Berlin zum „Augenblick mal! 2017“-Festival: „Eins zu Eins“ von Birgit Freitag mit Mika Nowotny und Walter Schmuck. (Foto: Léa Dietrich)

Nachdruck aus der Theaterzeitung 2/2017 – Mit freundlicher Genehmigung von Theater Bremen.

Verlorene Jugend

2017-01-12-21_05_09-junge-akteure-premiere_-verlorene-jugend-rainer-glaapgmail-com-gmailDie Jungen Akteure laden herzlich ein zur Premiere oder einer Vorstellung ihrer neusten Produktion VERLORENE JUGEND von Christiane Renziehausen und Sabrina Bohl.

Inspiriert durch Film- und Literaturstoffe wie den Roman Die Selbstmordschwestern von Jeffrey Eugenides oder den Film Dogtooth geht „Verlorene Jugend“ einer experimentellen Anordnung nach: Wie verhalten sich junge Mädchen mitten in der Zeit des Entdeckens, der Neugier, der Sehnsucht, wenn sie von der Außenwelt abgeschirmt leben müssen? Ist Jugend fixier- oder konservierbar? Die fiktive Geschichte geht von sechs jugendlichen Schwestern aus, die von der Außenwelt einst isoliert lebten. Eines der Mädchen lässt die Erinnerung an diese sehr besondere Zeit nun Jahre später Revue passieren.

Konzipiert ist das Stück als eine museale Installation, die in allen Räumlichkeiten des Brauhauskellers stattfindet und durch die sich die Zuschauer hindurchbewegen.

 Premiere am 20. Januar, 19 Uhr im Brauhauskeller, weitere Vorstellungen am 22./25./26. Januar und 1./3./4./5. Februar

 Text und Regie: Christiane Renziehausen Text und Dramaturgie: Sabrina Bohl Bühne: Marthe Labes Kostüme: Sofia Korcinskaja Musik: Jan Grosfeld, Nikolas Jacobs Regieassistenz: Valeska Fuchs Es spielen: Dana Herfurth, Maja Herms, Fanny Lya Hilken, Theresa Kleiner, Jorid Lukaczik, Karlotta Rolappe